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DGVS Kongress ICC 1. - 4.10.2008 Berlin

Vortragsreihe : Eisenüberladung und Lebererkrankung
(Zusammenfassung der Neuigkeiten von B. Butzeck)

1. Prof. Niederau, Gastroenterologie/Hepatologie, Oberhausen:

HFE- und nicht-HFE-Gen assoziierte hereditäre Eisenüberladung
  • Bei Menschen mit homozygoter C282Y-Mutation kommt es nur in ca. 10-20 % zur Entwicklung von Symptomen, d.h. Krankheitserscheinungen. Die übrigen Betroffenen werden nicht krank.

2. Prof. Schirmacher, Pathologie Uniklinik Heidelberg:

Eisenüberladung in der Leber: Brauchen wir noch den Pathologen?
  • Die C282Y-Mutation, auch homozygot, ist per se keine Krankheit.
  • Ein Screening (Sonographie/Ultraschall, Alpha-1-Fetoprotein) auf Leberkrebs ist nur bei Patienten mit Leberzirrhose erforderlich. Bei Zirrhose ist das Risiko Leberkrebs zu bekommen 25-30 %.
  • Die Zirrhose wird beschleunigt durch das Zusammenwirken von Eisen, Alkohol und Virus-Hepatitis.
  • Eisenüberladung in der Leber kann durch MRT/Kernspintomographie sichtbar gemacht werden. Bei niedrigen Ferritinwerten ist die MRT manchmal nicht eindeutig.

3. Prof. Stölzel, Gastroenterologie/Hepatologie Klinikum Chemnitz

Porphyrien, Eisen und Leberbeteiligung
  • Ein Erythrozyt enthält 1 Billion Atome Eisen Fe.
  • Die Krankheit Porphyria cutanea tarda (Hauterkrankung mit Blasenbildung bei Sonneneinstrahlung) spricht auf die Behandlung besser an, wenn vorher Aderlässe durchgeführt wurden.

4. Prof. Erhardt, Gastroenterologie/Hepatologie Uniklinik Düsseldorf

Eisenüberladung bei ALD, NAFLD und Hepatitis C: Verbessert die Eisenreduktion den Verlauf?

Welche Krankheiten werden mit Aderlass behandelt?
  • Hämochromatose
  • Porphyria cutanea tarda
  • ALD/ASH = Alkoholische Fettleber
    • Alkohol erhöht das Ferritin und die Transferrin-Sättigung
  • NAFLD / NASH = Nicht-alkoholische Fettleber
    • Aderlass vermindert das Ferritin, verbessert das GPT/ALT (Leberwert); verbessert die Insulinresistenz
    • Aderlass alle 2 Wochen 500 ml
    • NASH ist häufiger bei homo- und heterozygoten C282Y-Betroffenen

Hepatitis C

  • Aderlass verbessert die Leberwerte (GPT), Gamma-GT
  • Aderlass verbessert die Entzündung
  • Aderlass verbessert die Ansprechrate auf die Hepatitis C-spezifische Therapie
  • Aderlass verzögert den Progress der Leberfibrose

5. PD Dr. Herrmann, Gastroenterologie/Hepatologie, Uniklinik Heidelberg

Eisen und Karzinogenese (Krebsentstehung)
  • Eisen führt zur Zellproliferation, zu oxydativem Stress / Bildung freier Sauerstoff-Radikale ,die die RNA angreifen und hat immunologische Effekte
  • Das Risiko für Leberkrebs (= hepatozelluläres Carzinom HCC) steigt mit dem Lebereisengehalt
  • Bei Hämochromatose ist das Risiko für Leberkrebs stark erhöht, für andere Tumore ist es nicht bewiesen.
  • Das Risiko für Leberkrebs steigt auch bei Eisenüberladungen durch beta-Thalassämie oder der afrikanischen Eisenüberladung.
  • Es scheint eine Korrelation zwischen Lebereisengehalt und Leberkrebs auch ohne Zirrhose zu geben.
  • Eine Studie von 1990 zeigte eine niedrigere allgemeine Krebsrate bei Blutspendern, eine Studie 2008 zeigt keinen Zusammenhang zwischen Blutspenden und Krebsrisiko.
  • Im Tiermodell (Mäuse) verlangsamt die Eisenentfernung das Tumorwachstum.
  • Eisenreduktion durch Aderlässe reduziert das allgemeine Krebsrisiko und die allgemeine Krebs - Sterberate.
  • Frauen mit Eisenmangel haben ein niedrigeres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.
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